LaTeX – Ein junggebliebener Oldie

LaTeX ist ein aus dem Vorläufer TeX weiterentwickeltes Textsatzsystem. Neben LaTeX gibt es noch einige weitere Entwicklungen, die alle auf TeX basieren. Jedes dieser Systeme hat seine Vor- und Nachteile. Urvater des Programms TeX ist Donald E. Knuth, der 1977 an der Stanford University begann, ein Textverarbeitungssystem auf Unix Rechnern zu entwickeln, um damit wissenschaftliche Arbeiten zu erstellen. Das System sollte als freie Software (OpenSource) rechner- und betriebssystemunabhängig auf allen verfügbaren Computerplattformen vom Mikrocomputer bis zum Großrechner laufen. Einfach ausgedrückt erstellt TeX im sogenannten Übersetzungsvorgang aus dem mit einem Editor erstellten Text eine Datei, die beschreibt, wie das Dokument auszusehen hat. Es ist eine Art Grafikdatei, die unabhängig vom Ausgabegerät immer gleich aussieht. Und so ist es auch noch heute. In den meisten Fällen wird heute eine PDF-Datei als Ausgabedatei erstellt, die dann auf dem Bildschirm mit einem PDF-Reader angesehen oder auf einem beliebigen Drucker ausgedruckt werden kann.

Als Buchautor werden Sie diese PDF-Datei, den sogenannten Buchblock, an Ihren Verlag senden. Ein Schwerpunkt bei der Entwicklung von TeX war damals die korrekte Darstellung auch komplizierter wissenschaftlicher Formeln. Selbst heute, über 40 Jahre später, reicht keine andere Textverarbeitung an die korrekte Formeldarstellung heran. Das Programm machte zunächst unter dem Namen TeX (den griechischen Buchstaben Tau, Epsilon und Chi) als ein System für technischen Text Geschichte. Es verbreitete sich schnell unter Wissenschaftlern und dabei wurden dann mit zunehmender Anwenderzahl auch die Probleme deutlich, die viele Anwender mit dem Layout der Texte und den wenig verständlichen Befehlen hatten. Auch die erforderlichen Handlungsabläufe, um aus dem erstellten ASCII-Text eine druckbare Datei zu machen, überforderte alle, die nicht gerade in der damals noch dünn besiedelten IT-Welt aufgewachsen waren. Die Anwendung der Software blieb daher anfangs nur Programmierprofis vorbehalten, da TeX mehr einer Programmiersprache ähnelte, als einem Textverarbeitungssystem.

Hier kam dann Leslie Lamport, amerikanischer Mathematiker, Informatiker und Programmierer, geb. 7.2.1941 in New York, ins Spiel. Er entwarf das LaTeX-System, ein Softwarepaket, das die Benutzung von TeX deutlich vereinfachte, da es die kryptischen TeX-Anweisungen durch verständliche Makros (auch Befehle genannt) ersetzte. Durch Aufruf eines kurzen Makros wird ein Befehl ausgelöst, der eine mehr oder wenige große Anzahl von TeX-Anweisungen ausführte, um die sich der Anwender jetzt nicht mehr im Einzelnen kümmern musste. Ein Befehl in LaTeX beginnt immer mit einem Backslash und kann weitere Parameter und Optionen enthalten. Pflichtangaben werden in geschweiften Klammern angegeben. Optionale Angaben erkennt man an den eckigen Klammern. Während die Angabe von Optionen, wie der Name schon ausdrückt, erfolgen kann oder auch nicht (die Angabe ist optional), ist die Angabe von erforderlichen Parametern zum Befehl Voraussetzung für die korrekte Ausführung des Befehls.

Aus der eingegebenen Textzeile: Hier folgt gleich ein \textbf{fettes} Wort
wird im Ausdruck dann: Hier folgt gleich ein fettes Wort

Das Dokumentenlayout (Ein Artikel, Brief oder Buch) wird aufgrund einiger weniger Vorgaben (Papiergröße, Schriftart, Schriftgröße …) berechnet, sodass es erprobten typografischen Vorgaben aus dem Buchdruck entspricht. Der Autor muss sich nicht mehr um Größe der Ränder, Abstände der verschiedenen Abschnitte oder Schriftgrößen von Titeln, Untertiteln und Standardtexten kümmern. Alles wird aus wenigen Vorgaben des Nutzers berechnet, die dieser dem Dokument am Anfang in der sogenannten Präambel mitteilt. Daraus werden die benötigten Daten auf Basis der langen Erkenntnisse aus dem Buchdruck nach typografischen Gesichtspunkten berechnet.

Typografisches Design bedeutet aber nicht nur ein schönes Layout, sondern noch wichtiger ist eine leichte Lesbarkeit, die man durch gute Gliederung, nicht zu lange Textzeilen, klare Schriftarten und die richtige Schriftgröße erreicht. Dazu gehörte früher sehr viel handwerkliches Geschick der Buchdesigner und Schriftsetzer, das erst erlernt werden musste. Heute übernimmt oftmals LaTeX die Funktion des Schriftsetzers und Designers, da es in vielen Bereichen an Universitäten, Instituten und zunehmend auch in Firmen und im Privatbereich eingesetzt wird. Bei Dissertationen, Doktorarbeiten und wissenschaftlichen Artikeln ist es zum Standard geworden. Und zunehmend trauen sich auch Buchautoren an diese Software, die von den Unzulänglichkeiten anderer Text- und Layoutprogramme enttäuscht sind. Ich denke da zum Beispiel nur an dynamische Kopfzeilen, automatische Erstellung diverser Verzeichnisse, automatische Seitennummerierung und das Weglassen der Seitennummern auf leeren Seiten und in der Titelei.

Das Laden und Speichern auch großer Dokumente, wie zum Beispiel ein Buch, geht sehr schnell. Ich bemerke praktisch keinen Unterschied in der Bearbeitung, obwohl dieses Buch noch ständig wächst. Ich schreibe im Editor (linke Seite auf dem Bildschirm) und schaue mir alle paar Seiten nach einem Übersetzungsvorgang das Ergebnis auf der rechten Bildschirmseite an. Wer einen Roman schreibt, und nicht wie ich in diesem Buch laufend Fußnoten, Randbemerkungen oder Bilder einfügt, der kann die Sichtkontrolle der PDF-Ausgabedatei auch in größeren Abständen vornehmen und sich wirklich erstmal nur um seinen Text kümmern. Einen Vorteil hat das Übersetzen des Textes zwischendurch doch noch. Es erfolgt dabei automatisch eine Speicherung des Textes. Wenn eines meiner Bücher in anderen Textprogrammen mal deutlich über die zweihundert Seiten groß wurde, fingen oft die Probleme an. Das Buch dann in einzelne Abschnitte zu unterteilen war zwar möglich, brachte in dem einen oder anderen Programm dann aber wieder andere Probleme mit sich. So etwas oder Abstürze, die ich leider aus anderen Textprogrammen kenne, habe ich mit LaTeX bisher noch nicht erlebt.

Mitte 1985 wurde LaTeX in der Version 2.09 zur Nutzung freigegeben und bis Ende 1989 von Leslie Lamport betreut. Aktuell liegt das Softwarepaket in der Version 2e vor, die bereits seit 1989 von einem Autorenteam weiter entwickelt wurde. Sie werden es vielleicht schon erkannt haben. Der Programmname LaTeX besteht aus dem Ursprung TeX, dem Leslie Lamport die ersten beiden Buchstaben seines Nachnamens vorangestellt hat. LaTeX-Installationen gibt es für viele Unix- und Linux-Distributionen, Apple macOS und Windows Betriebssysteme ab Version 3.x bis zur aktuellen Version 10. Welche andere Software kann das von sich behaupten? Und LaTeX ist kostenlos. Das ist aber keinesfalls der größte Pluspunkt! Es sind die Möglichkeiten, die das Programm bietet, und die es zum führenden Textsatzsystem im wissenschaftlichen Bereich gemacht haben. Während in einfachen Textverarbeitungsprogrammen eine abgeschlossene Zeile (nach einem Zeilenumbruch) nicht mehr automatisch verändert wird, berechnet LaTeX bei der Übersetzung Ihres Textes in eine PDF-Datei keine Einzelzeilen, sondern immer ganze Absätze, um die optimale Textaufteilung mit einem möglichst harmonischen Schriftbild ohne große Zwischenräume und mit möglichst wenigen Worttrennungen zu erreichen.

Warum sollen wir Autoren dieses ideale Textsatzsystem nur den Studenten und Wissenschaftlern überlassen und nicht auch von diesem intelligenten, integrierten und automatischen Layouter profitieren?

Während wir uns um die Formulierung des Textes kümmern, sorgt LaTeX durch seine Fähigkeiten für ein ansprechendes Design. Wenn Sie mit zusammengekniffenen Augen auf eine reine Textseite schauen, sollten sie ein gleichmäßiges graues Feld sehen, ohne weiße Lücken und ohne schwarze Streifen. Außerdem ist es sehr einfach, ein Inhaltsverzeichnis, ein Literaturverzeichnis oder auch einen Index (Stichwortverzeichnis) zu erstellen. Für mich wird LaTeX in Zukunft bei der Bucherstellung die erste Wahl sein.

Und hier der erste Tipp aus meinem Buch: LaTeX wird wie Lahtech gesprochen! Viele weitere finden Sie dann in dem Buch, das auch eine komplette Romanvorlage (natürlich ohne Ihren Thriller oder Fantasy-Inhalt) enthält.

LaTeX ist wohl mit der beste Beweis dafür, dass der Satz „Alles was kostenlos ist, taugt nichts.“ falsch ist.